Österreichisches Wörterbuch

Kerzelweib , das, -es, -er

Betschwester


Art des Eintrag: Substantiv

Kategorie: Schimpfworte - liebevoll bis leicht

Erstellt am: 20.02.2008

Bekanntheit: 100%

Beurteilung: 4 | 0

Kommentar am 24.02.2008
@Yana Wort und Übersetzung sind vom Feinsten, daher auch mein Daumen. Einzige Frage: warum nicht, wie hier und in anderen Wörterbüchern üblich, die Einzahl? Die Mehrzahl wird eigentlich nur dann als Stichwort angegeben, wenn die Einzahl nicht existiert, sinnlos ist oder eine andere Bedeutung hat (es gibt z. B. keine 'Ferie', ebenso existiert das bundesdt. Wort 'Kröten' für Geld nur als Pluralwort, denn man kann auf die Frage "Hast du die Kröten bekommen" nicht antworten "Nein, nicht eine Kröte hat er mir gegeben" :-). EIN Kerzelweib kann man hingegen durchaus antreffen, auch wenn sie "in Aktion" vor den Altären meist in Gruppen auftreten.

Kommentar am 25.02.2008
Kerzlweiber (2) @brezi. Jein zur Einzahl. Es gibt sie zwar, aber als Einzelpersonen ist sie kaum zu erkennen, fällt nicht auf und ist nicht lästerwürdig. Ganz anders in der Masse. Diese Spezies ist ein Rudeltier, häufig anzutreffen bei Prozessionen, Papstaudienzen und Wallfahrten. Deshalb plädiere ich für die Mehrzahl. (Auch einzeln gesichtete Männer werden weder Kerzlmandln noch Betmänner/chen genannt...oder gibt es doch einen mir nicht bekannten Ausdruck dafür?

Kommentar am 25.02.2008
Stimmige Argumentation. Yana, du überzeugst mich. Zwar könnte man eine Einzelperson mit diesen Eigenschaften als 'notorisches Kerzlweib' kennen, aber ich muss zugeben, so etwas tatsächlich noch nicht gehört zu haben. Also belassen wir's beim Plural, wie von dir vorgeschlagen. Und - danke fürs so ausführliche Eingehen auf meine Einwände. So was ist schön, aber keinesfalls selbstverständlich. Ich bleibe bei dem, was ich in meinen ersten Tagen hier an JoDo schrieb: ohne Diskussion keine Ergebnisse. Fein, wenn andere auch so denken. *** Und ich muss noch einmal meine Bewunderung für die geniale Übersetzung aussprechen. Nie in tausend Jahren hätte ich das so getroffen.

Kommentar am 25.02.2008
Kerzlweiber (3) @brezi. Die Übersetzung habe nicht ich erfunden, die bot sich mir hier an - die sagen tatsächlich so.

Kommentar am 03.03.2008
>>>> d <<<< Daumen rauf... habe mit den "Damen" nicht viel am Hut, aber dies Wort gefällt mir und Kerzelweiber in dieser Schreibweise sicher nur in Ö. Betschwestern, so erfragte ich auch, ist in D sehr bekannt ! LG -sh-

Kommentar am 16.10.2017
Die Kerzelweiber verkauften ursprünglich Kerzen an den Kirchentoren.

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Kerzelweib






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich benutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.
Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.
Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.