Österreichisches Wörterbuch

Pülcher , der

Schimpfwort


Art des Eintrag: Substantiv

Kategorie: Schimpfworte - deutlich

Erstellt am: 11.07.2005

Bekanntheit: 97.1429%

Beurteilung: 14 | 2

Kommentar am 11.07.2005
Was ist das eigentlich - ein Pücher ? Ich kenne das Wort zwar als Schimpfwort, weiss aber nicht was es ursprünglich bedeutet.

Kommentar am 14.07.2005
Pücha, Pücher Soweit ich einmal gehört habe, kann man damit einen Menschen mit schlechten Manieren titulieren, aber auch kann es von Gauner kommen.

Kommentar am 07.07.2006
Erklärung, von [http://www.alsergrund.vhs.at/wienerisch/alteversion/wb/p.html] Pülcher: Halbverbrecher, verdächtiges Subjekt; v. Pilger, denn die Kreuzfahrer-Pilger hatten in Wien einen schlechten Ruf; das Wort kommt von lat. peregrinus = ausländisch (eigentlich der außerhalb des ager romanus Wohnende) wird zu pelegrinus, davon mhd. pilgerin; endlich, da man das -in als Dim.-Suffix auffaßte und abstieß, wird es zu Pilger, wienerische Lautung Pü(l)cher. *

Kommentar am 24.10.2007


Kommentar am 25.10.2007
Pülcher ist die eingebürgerte Schreibweise, Bücha wäre die Aussprache. Die Einträge Pülcher und Pücher gibt es schon, aber die Übersetzung scheint recht schwierig zu sein. Halbstarker, Rotzlöffel, Gauner ... vielleicht gibt es ein nordisches Wort, das Pülcher in seiner Bedeutungsbreite trifft?

Kommentar am 16.09.2011
Bücher/Pücher ---> Pilger Gauner mischten sich unter den Pilgern (Wallfahrern) und hatten dadurch den Vorteil günstig (auch kostenlos) zu Kost und Logis zu kommen, und hatten dabei noch oft die Quartiergeber (und andere hilfsbereite Leute) bestohlen und ausgeraubt. Dadurch bekamen damals die Pilger den schlechten Ruf, und so entstand auch das Schimpfwort "Pücher".

Kommentar am 16.09.2011
Vergleiche: Pülcher

Kommentar am 17.09.2011
Wie Klaser schon vermerkt hat:"Pücher" ist Aussprache - und überdies bloß eine regionale!
Die mittelbairische l-Vokalisierung hat sich bis ins Gehirn durchgeschlagen, sodass das -L- offenbar gänzlich aus manchem Bewusstsein entschwunden ist (wie das -B- des Grantscherbens bei den "Grantscherm"-Zeitungsschreiberlingen)!
Das ÖWb nennt ihn korrekt, den Pülcher (="Strolch, Gewalttäter"), der sich aus dem vielfach sehr unangenehmen Pilger entwickelt hat, wie Hoerersdorf und JoDo richtig erklären.
Das -L- im PÜLCHER ist südbairisch durchaus kräftig zu hören und gibt dem Wort erst die richtig saftige Qualität!

Kommentar am 13.01.2016
"Pülcher" kommt von mittelhochboarischen "Bilgerin / Pilgerim" (Pilger). Im Mittelalter haben sich viele Vagabunden und Taugenichts als Püga/Pilger ausgegeben. Das hat die Püga/Pilger in Verruf gebracht. So hat sich aus Püga/Pilger der Pücha entwicklt. Liebe Grüße - Andi Holl

Kommentar am 14.06.2016
Der Begriff "Pülcher" (ugs. Pücha) wird nicht als Schimpfwort verwendet, sondern als Bezeichnung! Eine Person, die sich entsprechend gegen ortsübliche Moral verhält, wird der Gruppe der Pülcher zugeordnet. Etwa ein Handelsmann, der jemanden übervorteilt: "Den kenn i! Des is a richtiga Pücha!".

Kommentar am 14.06.2016
Habe die Schreibweise korrigiert.

Kommentar am 15.06.2016
Schimpfwort für: ungebildeter Mensch, ohne Manieren, taktlos, roh, ordinär Im Übrigen: ein arges Schimpfwort! Übersetzung: Drecks-, Mistkerl, blöder/ ordinärer Kerl Die Synonyme im Duden sind alle richtig - und unrichtig zugleich!

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Pülcher






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich benutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.
Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine erhebliche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.
Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.