Österreichisches Wörterbuch

untertags

tagsüber


Kategorie: Zeitangaben

Erstellt am: 09.10.2006

Bekanntheit: 92%

Beurteilung: 50 | 0

Kommentar am 11.02.2010
süddeutsch, österr., schweiz.:

...über einen, dessen Blick untertags dem kostenden Blick seines Mörders begegnet war, kam ein seltsames Vorgefühl.
Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge-. (Insel-Verlag) Leipzig 1910, S. 918
Ellen sah Tante Sonja auch untertags öfter vor sich.
Ilse Aichinger, "Die größere Hoffnung". (S. Fischer) Frankfurt 2000, S. 147
Mit den Schneereifen war untertags nimmer viel zu machen, wir mußten sie auf den Buckel nehmen.
Ludwig Ganghofer, "Lebenslauf eines Optimisten". 10. Auflage, Stuttgart 1912, S. 332
Es gibt Farbenspiel in der Nacht, das auch untertags bestehen kann, nach etwas Seltenem aussieht und zweifellos so dargestellt werden kann
Ernst Bloch, "Das Prinzip Hoffnung" ( Aufbau-Verlag) Berlin 1954, Bd. 1, S. 113
Die untertags verschiedenen Schattenlängen können `jederzeit´ abgeschritten werden. Wenn auch die Körper- und Fußlängen der Einzelnen verschieden sind,...
Martin Heidegger, "Sein und Zeit". In Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung, Tübingen 1927, S. 416


Kommentar am 02.06.2016
Das Temporaladverb "untertags" ist deutschschweizerisches und österreichisches Standarddeutsch für gmd. "tagsüber". (Duden) .

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untertags






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich benutzten bairischen und alemannischen Dialekte.
Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.
Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine erhebliche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.
Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.