Österreichisches Wörterbuch

abgehen

fehlen, vermisst werden


Art des Eintrag: Verb

Kategorie: Gemütszustände, Befindlichkeiten

Erstellt am: 13.10.2006

Bekanntheit: 89%

Beurteilung: 66 | 1

Kommentar am 01.10.2007
Du gehst mir ab - du fehlst mir - ich vermisse dich würde es genauer treffen (er geht mir ab, ihr geht mir ab, usw)

Kommentar am 24.01.2014
Unterschied: In D kann etwas abgehen (ein Fest, ein Ereignis, eine Party),
in Ö kann jemandem etwas abgehen ("Du gehst mir ab" - Du fehlst mir).
Das ist ganz und gar nicht Dasselbe.

Kommentar am 25.01.2014
Sehr gut ein Beitrag von R.Sedlaczek im "Austria-Forum" zu den möglichen Verständigungsschwierigkeiten bei Nutzung des Zeitwortes "abgehen", siehe:
- [http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Österreichisches%20Deutsch/abgehen%20-%20fehlen]

Kommentar am 26.01.2014
In Österreich scheint's am selbstverständlichsten zu sein, z.B. bei Stefan Zweig: »Sie erinnert äußerst deutlich daran, dass eine nur auf den Säbel und den Sieg gegründete Regierung immer mit der ersten Niederlage fällt und dass jeder Herrscher, dem die natürliche Legitimität des Blutes und der Ahnen abgeht, sich unbedingt und rechtzeitig eine neue schaffen müsse.(„Joseph Fouché, Bildnis eines politischen Menschen“, 1929)

Doch wenn's auch in D offenbar nicht überall existiert (s. Compy > Sedlaczek > Piefke-Saga), so ist's, betrachtet man die Herkunft der Autoren der folgenden Beispiele, doch auch in D recht weit verbreitet und gar nicht so umgangssprachlich und landschaftlich, wie das im Duden-Synonymen-Wb. unter "fehlen 2)" bzw. unter "vermissen" behauptet wird:

• »Militärische Fähigkeiten gingen ihm ab« (Frank Thieß „Das Reich der Dämonen". Der Roman eines Jahrtausends, 1941) :

• »Chemluth kannte, wie alle Tabakhütchen, keine Angst. Das heißt nicht, dass er mutig war, denn mutig kann nur jemand sein, der die Angst kennt und sie überwindet. Es war einfach so, daß Tabakhütchen dieses Gefühl völlig abging , weil sie grünes Blut hatten und in ihrem Blutkreislauf das Adrenalin fehlte. Ein Tabakhütchen bemerkte zwar, wenn es in Gefahr war, aber es machte sich einfach nichts daraus.« (Walter Moers: „Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär“, Frankfurt 1999)

• » … wenn jener nicht den Humor besessen hätte, der der den Organen der … Teppichbehörde abging« (Hermann Kasack: „Der Webstuhl“, Frankfurt 1949) :

• Auch Goethe: »Was dem Dilettanten eigentlich abgeht, ist Architektonik im höchsten Sinne, diejenige ausübende Kraft, welche erschafft, bildet, konstituiert « (zitiert nach Werner Busch: „ Das sentimentalische Bild“, München 1993)

• Und Weizsäcker: »Mein Vater hatte einen guten, der Komplikation fähigen Verstand und einen ganz einfachen Charakter. Menschen, denen eine dieser beiden Eigenschaften abging , haben es immer schwer gehabt, ihn zu verstehen.« Carl Friedrich von Weizsäcker: „Bewußtseinswandel“, München 1988)

• »Ein rechter Grobian sein: ein Polterer und Rohling, dem jedes Feingefühl abgeht« (Lutz Röhrich in: „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“, Berlin 1994)

• »Dafür ist die Zeit eines Arztes, die dann letztlich den Patienten abgeht , zu kostbar« (Heinrich Hannover: „Die Republik vor Gericht 1975 – 1995“, Berlin 1999)

• »Was kann das bedeuten, wo doch ein Algorithmus das Urbild der Vorherbestimmtheit, des mechanistischen Weltbildes ist, etwas absolut Starres, dem jegliche Freiheit abgeht ? « (Peter Rechenberg: „Was ist Informatik?“, München 1991)

• Ziemlich alt aus Ost-Preußen: »Was dem Schießgarten an botanischem Interesse abging, ersetzte er jedoch an zoologischem.«(Vaterländisches Archiv für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Agrikultur, oder Preußische Provinzial-Blätter, Jg. 21, Königsberg 1839)

• und recht neu aus Hamburg: » Joschka Fischer, der aus diesem Buch manches über sich lernen kann, hat das Glück gehabt, einer Biographin zu begegnen, die es versteht, diesen abenteuerlichen Lebenslauf, der auch den Stoff für einen Entwicklungsroman der 68er-Generation geboten hätte, wie er uns noch immer abgeht, in die historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einzufügen.« (Die Zeit, 24.10.1997)

Kommentar am 22.05.2016
Das Verb "abgehen" ist auch in seiner 13. Bedeutung "jemandem fehlen" gmd. Also bitte löschen.

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abgehen






Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.
Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.
Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.
Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine umfangreiche Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.
Außerdem umfasst ein erheblicher Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.
Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.